Ein "Denk-Mal" für Lübecks Werften

Mit Unterstützung der Rose-Stiftung erinnert nun ein neues Kunstwerk auf dem Priwall an Zeiten, in denen Lübeck im Schiffbau noch eine große Rolle als Industriestandort hatte.

Lübeck. Wer von der Autofähre kommend auf dem Priwall am Wasser in Richtung Beach Bay spaziert, entdeckt jetzt ein neues Kunstwerk: Ein „Denk-Mal“ – errichtet von Künstler Rainer Wiedemann. Es soll mitnehmen in die Zeit, in der Lübeck mit seinen großen Werften noch ein wichtiger Industriestandort in der Region war. Dass Lübeck seinen Schiffbau mit seinen Werften vor allem an Kiel und Rostock verloren hat, findet Wiedemann „schade“. Dass das Werften-Sterben und der deutsche Schiffbau im Allgemeinen ein Problem seien und man aufpassen müsse, den Anschluss an den internationalen Wettbewerb nicht zu verpassen, findet Wiedemann „wichtig“ und ergänzt: „Das sieht man doch an der aktuellen Energiekrise. Wir tragen Verantwortung dafür, unser Know How im Schiffbau aufrecht zu erhalten, damit wir auch da nicht irgendwann überholt werden.“

Für Lübeck sei es zu spät – aber immerhin erinnern möchte Wiedemann daran. Nicht zuletzt wegen einer persönlichen Geschichte: Über viele Jahre hinweg fuhr der ehemalige Lehrer am Trave-Gymnasium in Kücknitz regelmäßig über die Herrenbrücke und durfte auf seinem Arbeitsweg vor allem die letzte verbliebene Werft, die Flender-Werft, von ihrer Blütezeit bis hin zu ihrer Insolvenz im Jahre 2002 als stiller Zeitzeuge begleiten. „Mit ihrem Aus ging ein wichtiges Stück Industriegeschichte zu Ende.“

Als der Verein für Kunst und Kultur zu Travemünde e.V. vor einiger Zeit auf Wiedemann zukam, um ihn im Rahmen der Kunstaktion „Wind Art“ um einen neuen Beitrag zu bitten, kam Wiedemann die Idee für sein „Denk-Mal“: Drei große kantige Stelen aus Baustahl ragen nun auf dem Priwall empor und sollen an Werftkräne erinnern. Auf ihren Flächen wurden die Daten der sechs einst größten Werften Lübecks gelasert: Koch, LMG, O & K, HATRA, Schlichting und Flender.

Die Stelen stehen im 120-Grad-Winkel um ein Standrohr aus Edelstahl, auf dessen Krone sechs den Werften zugeordnete, typische Schiffe schräg und rückwärts vom Stapel in alle Himmelsrichtungen laufen. Wiedemann zeigt nach oben. „Die Krone dreht sich langsam im Wind.“ Eine Symbolik, die die internationale Bedeutung der Werften unterstreichen soll.

Entstanden ist diese Arbeit zusammen mit Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen des Trave-Gymnasiums in Kücknitz, wo Wiedemann mehr als 30 Jahre tätig war – der Nachwuchs wurde für dieses Projekt mit an Bord geholt: Die Jugendlichen erarbeiteten Zeichnungen und plastische Modelle, bis Wiedemann die Bleche und Stahlelemente mit ihnen zusammenschweißte und mit Unterstützung vom Travemünder Kunstverein, der Possehl-Stiftung sowie der Rose-Stiftung realisieren konnte.

Gestern wurde das Werk auf dem Priwall eingeweiht.

Gekürzt nach: Lübecker Nachrichten, 18.09.2022, Seite 16.

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